Link verschicken   Drucken
 

Das zeichnerische und malerische Werk von Heinrich Ernst Kromer

Heinrich Ernst Kromer war eine klassische Doppelbegabung, der neben der Schriftstellerei auch ein künstlerisches Werk geschaffen hat. Schon sein Zeichenlehrer Gebhard Gagg in Konstanz erkannte während der Schulzeit sein Talent. Von seinem talentierten Schulfreund Ernst Würtenberger, der an der Kunstakademie in München studierte, wusste er, daß es sehr schwierig war, dort aufgenommen zu werden. Vielleicht hat er dann an einer der zahlreichen privaten Kunstschulen sich Kenntnisse angeeignet, um so als Autodidakt seine Kunst zu verwirklichen. Zwischen 1893 und 1898 lebte Heinrich Ernst Kromer vorwiegend in Konstanz. Sein Freund Würtenberger hatte in dieser Zeit seine ersten Erfolge als Portraitmaler. Dieser schuf 1894 ein bemerkenswertes Doppelbildnis von Kromer und sich, in dem er Kromer als lorbeerbekrönten Dichter darstellt. Das Gemälde befindet sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart.

 

Dorf am Untersee

 

Kromer begann dann sich um 1896 vermehrt der Kunst zu widmen. Er fertigte Zeichnungen, erste Temperabilder und Kreideskizzen und begann auch mit dem Erlernen der Radiertechnik. Ein geplanter Umzug zurück nach München kam aus Geldmangel nicht zustande. Zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes verzierte er Holztruhen mit Brandmalerei und hielt sich mit kleinen künstlerischen Aufträgen über Wasser. Erste Holzschnitte entstanden. 1899 gelang dann der ersehnte Umzug nach München. Dort scheint er sich intensiven Kunststudien gewidmet zu haben. Seine Motive fand er in der Umgebung von München. Es handelt sich um wesentlichen um Landschaftsdarstellungen. Ein weiteres Betätigungsfeld fand Kromer in dieser Zeit, denn er befasste sich mit Plastizieren und Bildhauern. Wo er sich diese Kenntnisse  angeeignete, bleibt im Dunkeln, doch wäre ein Unterricht bei dem aus Konstanz stammenden, in München ansässigen Bildhauer Julius Seidler denkbar. Kontakte zu der „Gottlieber Künstler- kolonie“ um Emanuel von Bodmann waren für Kromer auf seinem weiteren künstlerischen Weg von Bedeutung. Es folgten noch zahlreiche Wohnsitzwechsel zwischen München und Konstanz, bis er 1917 seinen endgültigen Wohnsitz in Konstanz nahm.

 

Bei der frühesten erhaltenen Arbeit Kromers handelt es sich um eine Rötelzeichnung aus dem Jahre 1891, das ein Mädchen im Alter von 15 Jahren zeigt. Kromer war zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt und die Ausführung der Zeichnung lässt noch keine eigene Handschrift erkennen. Der Strich ist noch schülerhaft und die Schraffuren wenig gekonnt. Um 1897 unternimmt er ernsthafte Anstrengungen sich in die Proportionen des menschlichen Körpers einzuarbeiten und die in der Folgezeit entstandenen Portraits zeigen erstaunliche Ergebnisse. In einer Reihe von Farbstudien eignet er sich ein Gestaltungsweise an, die er dann später in seinen „Miniaturen“ wieder aufgreift und weiterentwickelt. In Gasthäusern und Cafes findet er interessante Typen beiderlei Geschlechts, die er im Skizzenblock festhält.

Um die Jahrhundertwende erlischt jedoch seine bildnerische Tätigkeit und er wendet sich vermehrt der Schriftstellerei zu. Erst um 1925 erwacht sein Interesse für die Malerei neu. Es entstehen Portraits alter Männer und eine neue Sicht auf die Landschaft wird deutlich. Um 1928 entstehen Arbeiten mit Landstreichern, Zechbrüdern und verkrachten Existenzen, neben zahlreichen Don-Quichote – Darstellungen, die seit der Romantik als Sinnbild des an der Wirklichkeit leidenden und scheiternden Künstlers. Kromer, dem es zeitlebens finanziell nie gut ging, verarbeitet in seinen sozialkritischen Motiven auch Aspekte aus seinem eigenen Leben.

 

Don Quichote 2

Der alte Apotheker

Handwerksburschen

 

Nach seinem Umzug in das städtische Altersheim von Konstanz im Jahre 1942 arbeitet Kromer in unersättlicher Mallust und es entstehen allein in diesem Jahr über 100 seiner „Miniaturen“. Während des Krieges nimmt bei Fliegerangriffen seinen Zeichenblock mit in den Luftschutzkeller und beobachtet dort die anwesenden Personen. Es entstehen Blätter, welche die Menschen hoffnungslos und verzweifelt zeigen.

 

Nach den Aufzeichnungen von Heinrich Ernst Kromer wurden ungefähr 420 seiner Arbeiten zu Lebzeiten verkauft. Nahezu 600 Arbeiten und Studienblätter befanden sich in einem Nachlass, der vom Landkreis Waldshut erworben wurde, dazu kommen noch zahlreiche Studienblätter, ein Dutzend Kaltnadel – Radierungen und etwa 50 Ölgemälde.